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Krummennaab

Die erste urkundliche Nennung von Krummennaab - und auch von Erbendorf - wird irrigerweise noch bis heute mit dem Privileg Papst Paschalis II. an das Kloster Weißenohe vom 14. April 1109 in Verbindung gebracht. Bereits im Jahre 1930 hat Karl Theodor Lauter nachgewiesen, dass es sich bei dieser Urkunde um eine Fälschung der Weißenoher Mönche handelt!

Ja, es gibt nicht nur eine, es sind sogar zwei Urkunden mit dem Datum 14. April 1109 vorhanden die fast wörtlich übereinstimmen – beide sind unecht. Es hat sich nun aber gezeigt, dass beide Fälschungen auf eine echte Urkunde zurückgehen. Der Originaltext von 1109 hat sich in einem Kodex des Klosters Wessobrunn - als Abschrift - wiedergefunden. Für Krummennaab und Erbendorf ist nun das Entscheidende, dass es im päpstlichen Original eine namentliche Aufzählung der Orte nicht gab, sondern das Kloster von Paschalis II. nur eine allgemeine Bestätigung seines Besitzes erhalten hat.

Krummennaab und Erbendorf werden in der ersten Fälschung - die um das Jahr 1150 entstanden ist - erwähnt. Was war aber nach 41 Jahren plötzlich das Motiv für die Fälschung? Entweder die Orte und Güter gehörten 1109 bereits tatsächlich dem Kloster und man wollte nun vorsichtshalber - um den Rechtsanspruch zu untermauern - sie auch namentlich aufführen, da das Original des Papstes dies einst unterließ oder, was wahrscheinlicher ist, dass das Kloster mit Dritten in Besitzstreitigkeiten geriet und jetzt durch namentliche Nennung seinen Anspruch auf diese Orte mit einer Papsturkunde rechtfertigte (auch wenn vielleicht der ein oder andere Besitzanspruch höchst fragwürdig bzw. sogar unrechtmäßig war).

Der Vollständigkeit halber sei hier auch noch auf die zweite Fälschung, die zwischen den Jahren 1200 und vor 1205 entstand, eingegangen: Sie enthält zunächst auch die namentliche Nennung der Orte wie die erste Fälschung um 1150. Nun, am Beginn des 13. Jahrhunderts, lag offensichtlich ein neues Motiv für die Fälschung zu Grunde. Es ging dem Kloster jetzt um das Recht der freien Vogtwahl, die in der Originalurkunde des Papstes von 1109 noch gar nicht erwähnt wird. Darüber werden nun in der zweiten Fälschung einige Sätze eingefügt, um vom damaligen deutschen König Philipp ein königliches Diplom über die Vogtwahl zu erlangen - was auch gelang, wenn auch mit der Einschränkung, dass das Kloster bei der Vogtwahl vorher die Zustimmung des Königs einholen muss.

Lauter hat auch den Fälscher der ersten Urkunde ausfindig gemacht. Es war ein Bamberger Mönch des Klosters Michelsberg, der für die Weißenoher Mönche die Urkunde hergestellt hat.

Noch im 12. oder 13. Jh. wurde hier ein adliger Sitz - wohl von einer Linie der Trautenberger - errichtet, die sich daraufhin „Chrumnaber“ nannten. Wo sich einst der mittelalterliche Urmeierhof und später eine Burg - schließlich ein Schloss - befand, steht heute die Porzellanfabrik Seltmann.
Zur Burghut Parkstein gehörig fiel Krummennaab nach dem Erwerb dieses Territoriums im 14. Jh. durch Kaiser Karl IV. für kurze Zeit an das Königreich Böhmen, bis der Kaiser und sein Sohn und Nachfolger Wenzel die hiesigen Besitzungen an die Wittelsbacher veräußerten. Das Amt Parkstein stand von 1559 bis 1714 unter gemeinsamer wittelsbachischer Herrschaft sowohl von der Kurpfälzer- als auch der Pfalz-Neuburgischen Linie und hieß daher "Gemeinschaftsamt Parkstein-Weiden".

Im 14 Jh. erwarben die Wild von Wellenreuth (Wildenreuth) den Ort. Am 28. März 1382 verkauften sie zunächst Teile der Gutsherrschaft Krummennaab, später auch den Rest an Albrecht Notthafft zu Weißenstein, dessen Familie bis 1562 den Ort innehatte. Sie gewährten den Nürnberger Burggrafen das Öffnungsrecht für den Ort und das Schloss Krummennaab - sowie 1448 auch den Pfalzgrafen bei Rhein und den Herzögen von Bayern. Schließlich erwarben sie Anfang des 15 Jh. auch die Gutsherrschaft Thumsenreuth. Hans Notthafft von Weißenstein verkaufte Krummennaab am 21. August 1564 an Georg Hektor Wispeck zu Velburg der vom Kurfürsten Friedrich mit dem Ort belehnt wurde. Es war Wispeck der das bis dahin als Eigengut (Allod) seiner Besitzer geltende Krummennaab dem Kurfürsten zu Lehen auftrug, das so zu einem kurpfälzischen Rittermannlehen wurde. Bereits 1571 verkaufte er jedoch bereits den Ort wieder, nämlich an Georg von Rochau, dem Landrichter und Pfleger von Parkstein.

Der Dreißigjährige Krieg brachte es mit sich, dass die Herrschaft an Wert verlor und schließlich 1668 an Wolf Ernst v. Lindenfels zu Weidenberg verkauft wurde. Bis 1724 hatten die von Lindenfels die Gutsherrschaft Krummennaab inne, nachdem sie bereits 1661 das benachbarte pfälzische Lehen Thumsenreuth erworben hatten.

Ein adliger französischer Emigrant, Louis Anne de Sainte Marie Eglise, kaufte 1725 Krummennaab und auch das Landsassengut Bernstein. Unter ihm ging es mit dem Ort wieder wirtschaftlich bergauf, da er viel ins Handwerk investierte. Er starb 80-jährig am 26. Januar 1756. Unter ihm wurde das Mannlehen in ein Söhne- und Töchterlehen umgewandelt, sodass die Herrschaft auch an Töchter weitergegeben werden konnte.

Nach seinem Tod betrieb jedoch die Witwe wegen des Schuldenstandes den Verkauf. Dies gelang ihr aber erst 1778/79 an die von Öxle, die das Pfalzlehen Krummennaab bereits 1787 an Johann Georg v. Grafenstein (Landrichter und Pfleger von Parkstein) weiterverkauften. Um 1779 zählte das Landsassengut 312 Einwohner, wovon 233 auf Krummennaab selbst entfielen. Die Grafenstein hatten den Ort bis 1856 inne. 1848 endete die adelige Grundherrschaft und Niedergerichtsbarkeit.

Karl Theodor v. Künsberg war ab 1856 der letzte adlige Inhaber des Ritterguts Krummennaab, der sich jedoch hauptsächlich auf seinen Gütern in Guttenthau und Kaibitz aufhielt. Von ihm wurde der Gutsbesitz zerschlagen; u. a. wurde das Schlossareal verkauft und dort ab 1897 Porzellan produziert. Die Porzellanfabrik wurde nun immer mehr erweitert, besonders nachdem sie Wilhelm Seltmann 1939 erworben hatte. Der Ausbau der Fabrik brachte 1966 das endgültige Ende für das Krummennaaber Schloss.

 

Historische Statistik Krummennaab

(Quelle: Heribert Sturm, Historischer Atlas von Bayern, Heft 47, 1978, S. 323)

  • Im Jahr 1588/90: Untertanen 13 Bauern, 2 Inwohner/Inleute. 5 Höfe, 1 Wirtshaus, 6 Güter, 1 Söldengut. Vieh 15 Pferde, 6 Ochsen, 46 Kühe, 30 Jungrinder, 17 Schweine, 128 Schafe.
  • 1618: Untertanen 13 Bauern, 2 Inwohner/Inleute (Bestandsmüller und Hutmann).
  • 1625: „Krumenab“: 4 Höfe, 2 Güter, 5 Gütl, 1 neu erbautes Häusl, 1 Wirtshaus. Vieh 14 Pferde, 14 Ochsen, 28 Kühe, 19 Jungrinder, 55 Schafe, 3 Schweine.
  • 1636: 13 Bauern. 4 Höfe, 6 Gütl, 1 Halbhof, 1 Söldengütl, 1 Wirtshaus (nicht mehr betrieben), 1 neues Häusl. Die Anwesen baufällig und verwüstet. Der lutherische Pfarrer hat sein Vieh verkauft und ist weggezogen (1625 hatte der Pfarrer noch 6 Kühe, 3 Kälber und 2 Schweine).
  • 1732: 9 Höfe (davon 4 in Steinreuth und 1 Halbhof in Gleißenthal). 8 Köbler (darunter der Wirt), 7 Tripfhäuser (mit dem Hufschmied und dem Weber).
  • 1759: 29 Gutsuntertanen, 1 Hirt, 2 Schneider, 1 Weber, 2 Schuhmacher, 1 Schmied, Knopfmacher, Metzger (zugleich der Wirt).
  • Um 1800: Dorf mit Schloss (33 Häuser mit 212 Einwohnern).
  • Weitere Einwohnerzahlen Krummennaab bzw. Gemeinde Krummennaab: 1817 (153), 1861 (194), 1867 (282), 1871 (286), 1880 (290), 1890 (259), 1900 (332), 1910 (563), 1919 (580), 1925 (610), 1933 (644), 1939 (736), 1946 (1194), 1950/52 (1243), 1961 (1303)

     

 

 
 
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